Textservice Bremen

Gekaufte Fans in den sozialen Netzwerken

Ups, entschuldigung, das hätte nicht passieren dürfen!
Januar 18, 2014 Iris

Bei sogenannten Klickfarmen können Unternehmen ihre Facebook-Fans kaufen. Zu finden sind diese „Farmen“ unter anderem in Bangladesh, fand ein Reporter der britischen Tageszeitung „The Guardian“  heraus. Für Hungerlöhne von 120 US-Dollar im Jahr sitzen dort Arbeiter im Drei-Schicht-System. Pro Arbeiter besitzen sie rund tausend Facebook-Accounts mit denen sie arbeiten. Die gesamte Klickfarm bietet 15000 aktive Accounts. Tausend Klicks der „Farm“ kosten ein Unternehmen 15 Dollar. 

 

Nicht immer sind die gefakten Fans von großen Klickfarmen im Ausland. Die Klicks können auch von „echten“ Nutzern gemacht werden, die mit den hochfrequenten Likes von Seiten einen lukrativen Nebenverdienst einheimsen. Eine weitere gängige Methode von Unternehmen ist es Gewinnspiele anzubieten, die zu mehr Facebook-Likes führen sollen. Das diese sich häufig am Rande der Legalität bewegen, wird dabei außer Acht gelassen. Besonders beliebt sind Gewinnspiele bei denen hochwertige Technik-Produkte als Gewinn winken.

 

Die ganze „The Guardian“-Reportage über die Klickfarmen findet ihr hier:

How low-paid workers at ‚click farms‘ create appearance of online popularity

 

Warum kaufen Unternehmen Fans?

 

Wie viele Fans ein Unternehmen hat interessiert vor allem potentielle Neukunden, sagt die Analystin Jenny Sussin in der Reportage des „Guardian“. Von 31 Prozent der Nutzer werden die Facebook-Seiten der Unternehmen zunächst begutachtet, bevor sie beispielsweise an einem Online-Spiel teilnehmen. Einer der ausschlaggebenden Punkte ist die Anzahl der „Gefällt mir“-Angaben auf einer Facebook-Seite. Hier werden die Konsumenten durch eine hohe Like-Anzahl durch gekaufte Klicks irregeführt.

 

Gekaufte Fans erkennen

 

Das deutsche It-Girl Georgina, bekannt  unter anderem als Teilnehmerin von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“, hat bei Facebook über 100 000 Likes. Rund 70 000 davon kamen in wenigen Tagen zusammen. Das Magazin „Stern“ schreibt, dass es sehr verdächtig sei, dass ein großer Teil von Georginas Fans aus Hanoi in Vietnam stamme und nicht aus Deutschland. Laut „Stern“ ist es ebenfalls fragwürdig, wenn Stars wie Rihanna oder Justin Bieber ausnehmend viele Fans in einer Stadt haben mit der sie nicht direkt in Zusammenhang stehen (in diesen beiden Fällen Mexico City). Die Tageszeitung „Die Süddeutsche“ weist im Zuge der Verdächtigungen gekaufter Fans auch auf die geheimnisvollen Sprünge von um bis zu 90 000 neuen Twitter-Fans beim ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und 5 000 neuen Fans der CDU hin.

 

Diese Anzeichen können, müssen aber nicht darauf hinweisen, dass Fans gekauft wurden:

 

– Sprunghafter Anstieg der Fanzahlen

– Viele Fans aus einem bestimmten Land oder einer bestimmten Stadt, die in keiner Verbindung zum Unternehmen, Produkt oder Promi stehen

– Ausnehmend viele Fans aus Ländern, in denen die Betreffenden kaum populär sein können

– Wenig bis keine Interaktion der vielen Fans auf der Facebook-Seite (beispielsweise Kommentieren, Liken und Teilen von Posts)

 

Der Stern bietet euch eine Anwendung, die auswertet aus welchen Ländern die Fans einer Seite kommen und welchen Anteil sie an der Gesamtzahl der Fans haben:

http://www.sterntv-experimente.de/FacebookLikeCheck/

 

Gekaufte Fans – die Nachteile für Unternehmen

 

Zunächst scheint der Kauf von Fans attraktiv, weil das die Reichweite und Bekanntheit des Unternehmens steigern soll. Gerüchte, dass eine Facebook-Seite ab 1000 Fans geradezu von alleine „läuft“ tragen ihr übriges dazu bei. Interaktion und Kommunikation ist für das Verbreiten einer Facebook-Seite wichtig, doch bei gekauften oder anderweitig erschlichenen Klicks handelt es sich in vielen Fällen um eine „leere Menge“, die nicht aktiv am Leben in den sozialen Netzwerken teilnimmt. Für höheren Umsatz sind Fans ohne Interesse am Produkt oder der Dienstleistung kaum zu nutzen.

Anders verhält es sich mit „echten“ Fans. Diese sogenannten Qualitäts-Fans haben die Seite eines Unternehmens bei Facebook geliked, weil sie tatsächlich hinter dem Produkt oder dem angebotenen Service stehen. Sie agieren auf der Seite, stellen Fragen, kommentieren, liken Posts oder teilen interessante Inhalte mit ihren Freunden.

 

Was tut Facebook gegen die gekauften Fans?

 

Facebook hat in seinen Richtlinien verschiedene Konsequenzen aufgeführt für Facebook-Seiten, die ihre Fans kaufen. So behält das soziale Netzwerk sich beispielsweise vor, Seiten zu sperren oder zu deaktivieren, wenn verdächtige Aktivitäten durch die Seite vorliegen. Das „inhaltslose Sammeln“ von Fans kann laut Richtlinien dazu führen, dass der „Gefällt mir“-Button einfach nicht mehr genutzt werden kann. Je nach dem, wie schwer die betreffende Seite gegen die Facebook-Richtlinien verstoßen hat, kann das soziale Netzwerk die Limitierungen der Seite für eine gewisse Zeit oder sogar dauerhaft festlegen.

 

Hier findet ihr die Facebook-Richtlinie

„Welche Limits gibt es für meine Facebook-Seite?“ :

 

https://de-de.facebook.com/help/348805468517220

 

Weitere Quellen:

http://www.stern.de/tv/sterntv/gekaufte-facebook-likes-gefaellt-mir-gegen-bezahlung-1963544.html

http://www.sueddeutsche.de/digital/gekaufte-facebook-und-twitter-profile-falsche-freunde-fuer-ein-paar-cent-1.1422712

http://allfacebook.de/beyond/am-praktischen-beispiel-warum-fans-kaufen-totaler-quatsch-ist